SC Weyhe - Newsartikel drucken


Autor: Julian Berendt
Datum: 14.11.2011


Pflichtaufgabe souverän erfüllt

Selbst wenn eine Mannschaft einen Kantersieg einfährt, bedeutet das nicht, dass der Trainer rundum glücklich sein muss. Es gehört fast schon zur Spezies der Fußball-Lehrer dazu, immer einen Grund zur Kritik zu haben. Schließlich sollen sich die Aktiven auf dem Platz nicht auf Erfolgserlebnissen ausruhen. Bei Dirk Pistol verhielt es sich nicht anders. Auch nach dem ungefährdeten 7:1 (5:0) seines SC Weyhe über das punktlose Schlusslicht Geestemünder SC wurde der Coach des Fußball-Landesligisten nicht müde zu betonen, welche Dinge noch verbesserungswürdig sind.

"Die erste Hälfte hat mir zwar gut gefallen, aber wir haben noch nicht das umgesetzt, was ich gefordert habe - nämlich das Spiel in die Breite zu ziehen", analysierte Pistol. Die Torausbeute von immerhin fünf Treffern bis zum Seitenwechsel hätte seiner Ansicht nach auch höher ausfallen können. "Wir hätten acht Stück machen müssen." Sowieso müsse solch eine Partie zweistellig ausgehen.

Dafür stand wiederum der zweite Durchgang im Weg. Nachdem die Begegnung bereits zum Pausentee entschieden war, schalteten die Hausherren ein paar Gänge zurück. Für Pistols Geschmack ein paar zu viele. "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen. Da gab es mir zu einfache Ballverluste." Verständnis äußerste der 37-Jährige allerdings auch. "Beim Stand von 5:0 wird der Schalter eben umgelegt, das ist so. Insgesamt bin ich zufrieden. Sieben Tore muss man auch erst mal machen."
 
In der Tat. Wenngleich die drei Zähler gegen die Gäste aus Bremerhaven Pflicht waren, um selbst einen Schritt aus der Abstiegszone zu gehen. Dennoch erledigten die Weyher ihre Pflicht in zeitweise äußerst schöner Manier, genauer gesagt ab Mitte der ersten Halbzeit. Da spielten sich die Grün-Weißen in einen Rausch, trugen ansehnliche Angriffe vor und belohnten sich nicht zu knapp. Der Startschuss zum munteren Preisschießen fiel durch Eike Dziuba, der den Ball aufnahm, einen Doppelpass mit Oliver Rozehnal spielte und zum 1:0 einschob (19.).
 
Fortan fielen die Tore wie die Blätter von den Bäumen. Beim 2:0 betätigte sich wieder Rozehnal als Vorbereiter, diesmal veredelte Enes Keskinsoy das Zuspiel (30.). Weiter im Text ging es mit Tor Numero zwei für den SCW-Torschützen vom Dienst, Eike Dziuba. Der Neuzugang umkurvte Hamm und schoss das Leder ins leere Tor - und das Ganze nur 120 Sekunden später. Nach einer großzügigen Pause von sechs Minuten durfte Rozehnal dann selbst abschließen. Sehenswert war dabei die Vorarbeit von Tom Wieting, der sich über die ganze rechte Seite durchtankte und den Torschützen mustergültig bediente (38.). Weil das alles so einen Spaß machte, legten die Gastgeber noch einen nach: Wieder kam Wieting über Außen angefegt und flankte in den Strafraum, wo Marvin Bertram den Rest der Arbeit erledigte (41.).
Allmählich wurde es frustrierend für die Bremerhavener. Das schlug sich denn auch in der Stimmung auf dem Platz nieder. Erst meckerten sie sich nur gegenseitig an, ehe es zu einem nicht mehr wirklich überraschenden Ereignis kam. Stefan Schmitt wurde wegen Nachtretens mit Rot des Feldes verwiesen (49.). Wer nun aber dachte, dass die Gäste endgültig auseinander fallen würden, sah sich getäuscht. Vielmehr hielt das Team von Trainer Ralf Wickert jetzt besser dagegen. Beim SCW machte sich angesichts des komfortablen Polsters eine gewisse Inkonsequenz breit. So kam es fast zwangsläufig zum Ehrentreffer durch Marco Ferreira-Postiga (88.). Davor hatte allerdings Dziuba schon seinen Dreierpack geschnürt (83.). Und in der Nachspielzeit setzte Cem Barufe den Schlusspunkt einer unterhaltsamen Partie.

Weser-Kurier vom 14.11.2011